Durch Zufall zum Glück

Von Astrid Plaßhenrich

Vor gut drei Jahren suchte Nicole Westhaus eine neue berufliche Herausforderung. Die hat sie inzwischen gefunden: Die 43-Jährige leitet erfolgreich ihr 180 m² großes Küchenstudio in Erfurt. Auch dank der Unterstützung von DER KREIS.

Nicole Westhaus ist ein Mensch, der eine Chance, wenn sie sich bietet, zu nutzen weiß. „Dass ich heute Küchen verkaufe, ist im Grunde purer Zufall. Aber es ist genau das Richtige“, sagt sie. Westhaus sitzt in ihrem Studio mit den acht Musterküchen und dem Beraterplatz; sie lehnt sich zurück, nippt an ihrem Kaffee und beginnt ihre Geschichte zu erzählen. Die 43-Jährige ist gelernte Versicherungskauffrau und seit einigen Jahren selbstständig. Doch irgendetwas fehlt. „Es war im Grunde alles in Ordnung. Aber ich spürte, dass in der Versicherungsbranche mein Weg nicht weiter geht, dass es keine Entwicklungsmöglichkeiten und keine Herausforderung mehr für mich gibt. Ich habe mich oft gefragt, wo meine Reise noch hingehen soll“, berichtet Westhaus. Ohne es zunächst zu merken, verlagert sie ihre Kraft und ihren Einsatz auf das Unternehmen ihres Mannes Torsten. Der führt seit mehr als zehn Jahren eine Tischlerei in ihrem Heimatdorf in Henschleben im Landkreis Sömmerda. Sie gestaltet die Homepage neu, surft im Internet nach neuen Ideen und ist immer auf der Suche nach neuen Denkanstößen. „Aber mit Küchen hatten wir nie viel zu tun. Ganz vereinzelt haben wir hier und da mal eine aufgebaut. Das war’s aber auch schon. Und ich bin noch nicht einmal eine leidenschaftliche Köchin“, sagt sie und lacht.

Eine Wellenlänge

Während des Surfens in der virtuellen Welt stößt sie zufällig auf eine Internetseite. „Ich kann gar nicht mehr sagen, wessen Homepage das war, trotzdem war ich fasziniert“, sagt Westhaus. Woran sie sich genau erinnert, ist, dass sie auf dieser Seite das erste Mal das DER KREIS-Logo bemerkte. Die Neugier packt sie. Einen weiterer Klick und es öffnet sich die Homepage des Verbandes. Sie liest, informiert sich. Warum sie dann folgenden Schritt macht, kann sie im Rückblick gar nicht mehr erklären. Aber Ende August 2012 nimmt sie das Telefon in die Hand, wählt die Leonberger Vorwahl und spricht Sekunden später mit einer Mitarbeiterin des Verbandes.

Dann geht alles schnell. „Man hat mir gesagt, dass Regionalleiter Michael Trommler bald in der Nähe ist. Also haben wir einen Termin vereinbart“, erzählt Nicole Westhaus. Die beiden liegen sofort auf einer Wellenlänge. Trommler klärt die 43-Jährige über die Arbeit und die Vorteile von DER KREIS auf. Das war im September. Einen Monat später lädt der Regionalleiter sie und ihren Mann in ein Küchenstudio nach Berlin ein.

Dort erklären die Inhaber dem Ehepaar Westhaus das Geschäft und sie beantworten all ihre Fragen. Die eher lose Idee, ein Küchenstudio zu führen, manifestiert sich. Westhaus: „Ich habe in Berlin dann auch zweimal ein je einwöchiges Praktikum gemacht, um den Alltag in einem Küchenstudio kennenzulernen.“

„Wir machen es“

Es ist November 2012. Nicole und Torsten Westhaus sitzen in einem Büro in Herrieden. Den Kontakt zum fränkischen Küchenmöbelhersteller Schüller hat ebenfalls der Regionalleiter hergestellt und vereinbart. „Das war ein lockeres Gespräch von drei bis vier Stunden. Aber in der kurzen Zeit haben wir schon festgestellt, dass Schüller zu uns passt“, erklärt sie. Spätestens jetzt war klar: „Wir machen es!“ Die Suche nach geeigneten Geschäftsräumen beginnt. DER KREIS ist auch da behilflich und macht eine Standort analyse. „Wir wollten das Studio in Erfurt eröffnen. Dabei war wichtig, dass es nicht zu weit von der Innenstadt entfernt liegt und dass die Verkehrsanbindung stimmt“, so Westhaus. Sie finden die perfekten Räume in der Schlachthofstraße. Sie sind 92 qm groß. Im März 2012 unterschreibt Nicole Westhaus den Mietvertrag.

Unterstützung auf allen Ebenen

Gemeinsamen mit DER KREIS werden Fixkosten berechnet, der Businessplan geschrieben und ein individuelles Unternehmenskonzept erarbeitet. Neben den Praktika in Berlin besucht Nicole Westhaus mehrere Software-Schulungen und eine Schulung bei Schüller. „Ich habe mich stetig weiterentwickelt. Auch die Workshops während der KREIS-Kongresse haben mir sehr viele Impulse gegeben“, so Westhaus. „So haben wir beispielsweise von Anfang an, Kochevents veranstaltet.“

Sie nutzt aber nicht jedes Angebot. „Die Homepage wollte ich beispielsweise selber gestalten“, erklärt sie. Christoph Hermes, Pressesprecher von DER KREIS, ergänzt dazu: „Das ist aber auch eine der großen Stärken unseres Verbandes. Alles geht, aber nichts muss.“

Noch bevor Nicole Westhaus im August 2013 ihr Küchen studio eröffnet hat, plant und verkauft sie bereits ihre erste Küche. „Für die Eltern von Freunden“, sagt sie. Auch hier bekommt sie Hilfestellung vom Verband. Als sie mit dem Laptop auf den Knien in ihrem Wohnzimmer sitzt, schaltet sich Michael Trommler auf ihren Rechner und gibt Tipps bei der Planung. Die schönste Bestätigung: Die ersten Kunden waren zufrieden – und sind es immer noch.

Nicole Westhaus

In nur drei Jahren hat sich Nicole Westhaus von einer Novizin zu einer Küchen-Expertin entwickelt – mit einem eigenen Küchenstudio in Erfurt

Ausstellung verdoppelt

Nur ein Jahr später. Die Zoohandlung direkt nebenan zieht aus. „Einen Durchbruch machen und sich vergrößern. Das wär’s“, denkt sich Nicole Westhaus. Doch bevor sie das Großprojekt angeht, holt sie den KREIS mit ins Boot. Ernst Lachmayr, unabhängiger Unternehmensberater für den Verband, prüft, ob sich die Erweiterung lohnt, ob sie auf wirtschaftlich gesunden Beinen steht. Der Unternehmensberater gibt grünes Licht. Der Umbau beginnt. Weitere 94 qm kommen hinzu. Neben den Schüller-Küchen erweitert sie ihre Ausstellung nun um Küchenmodelle der Möbelwerkstatt Pfister aus Baden-Württemberg. Letztere haben ihr Herz an Voll- und Massivholzküchen verloren. Jede Pfister-Küche ist ein Individuum. Und für Westhaus ist es ein Alleinstellungsmerkmal. „Der erste Kontakt mit dem Unternehmen Pfister kam auf der LivingKitchen 2013 zustande. Mein Mann und Uwe Pfister führten sofort Fachgespräche. Seitdem hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt“, sagt Westhaus. „Ich bin froh, dass wir den gemeinsamen Weg eingeschlagen sind“, sagt die 43-Jährige heute und fügt an: „Ohne Hilfe des Verbandes, wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe.“ Dann verabschiedet sie sich höflich und saust um die Ecke in ihr Büro. Sie muss sich vorbereiten. In 20 Minuten steht das nächste Kundengespräch an.

 

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